Das Wichtigste in Kürze:
Halten Sie konkrete Erfolge und zusätzliche Aufgaben fest, um bei einem Gespräch überzeugend argumentieren zu können.Prüfen Sie vor dem Gespräch, wie Ihre Position aktuell am Markt vergütet wird.Gehen Sie mit einer klaren Lohnvorstellung ins Gespräch und kennen Sie Ihren eigenen Spielraum.Argumentieren Sie mit Ihrer beruflichen Entwicklung, nicht mit privaten Ausgaben oder gestiegenen Lebenshaltungskosten.Bleibt es beim Nein, fragen Sie nach den Gründen, nach konkreten nächsten Schritten und nach einem neuen Gesprächstermin.
Mehr Lohn fällt leider selten vom Himmel. Wer eine Lohnerhöhung erreichen möchte, braucht gute Argumente, ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt und eine realistische Vorstellung davon, was drin ist.
Nicht jedem fällt es leicht, eine Lohnerhöhung beim Arbeitgeber anzusprechen. Deshalb schiebt man das Thema oft länger auf, als es sinnvoll ist. Denn wenn Ihr Aufgabenbereich gewachsen ist, Sie neue Qualifikationen einbringen oder ganz einfach über längere Zeit gute Arbeit leisten, haben Sie handfeste Gründe für ein Gespräch über Ihre Vergütung.
Damit daraus mehr wird als die Frage nach „ein bisschen mehr Lohn“, sollten Sie sich gut vorbereiten. Wie viel mehr Lohn kann ich überhaupt fordern? Welche Argumente überzeugen? Wann ist ein guter Zeitpunkt und wie spricht man das Thema überhaupt an? Darum geht es in diesem Beitrag.
Wie viel Lohnerhöhung kann ich verlangen?
Eine Lohnerhöhung zwischen 3 und 5 % kann realistisch sein, wenn Sie besonders gute Leistungen erbracht oder deutlich mehr Verantwortung übernommen haben. Allerdings fallen die durchschnittlichen Lohnerhöhungen in der Schweiz in der Regel geringer aus, und die angemessene Höhe hängt von Ihrer Position, Ihrer Branche und Ihren individuellen Umständen ab.
Wie viel mehr Lohn Sie tatsächlich verlangen können, hängt auch davon ab, wie sich Ihr aktueller Lohn im Vergleich einordnet und wie stark sich Ihre Position seit der letzten Lohnfestlegung verändert hat.
Schauen Sie sich hierzu an, was Ihre Position am Markt wert ist. Der Lohnrechner von Robert Half liefert dafür Vergleichswerte nach Position für die Schweiz. Wichtig für die Einordnung: Die dort genannten Löhne sind Startlöhne bei einem Stellenwechsel. Sie zeigen also nicht, wie hoch eine übliche jährliche Lohnerhöhung ausfällt.
Verdienen Sie derzeit deutlich weniger als marktüblich, kann das ein zusätzliches Argument sein. Verlassen sollten Sie sich darauf allein aber nicht. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie sich Ihre Rolle entwickelt hat und welchen Beitrag Sie heute für das Unternehmen leisten.
Welche Argumente sprechen für eine Lohnerhöhung?
Gute Argumente sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern lassen sich belegen. Überlegen Sie, ob und welche Aufgaben Sie zusätzlich übernommen haben und wo Sie heute mehr Verantwortung übernehmen. Auch Ergebnisse, die sich klar Ihrem Einsatz zurechnen lassen, sprechen für Sie. So machen Sie aus einer allgemeinen Forderung eine nachvollziehbare Begründung.
Vielleicht haben Sie in der Zwischenzeit auch zusätzliche Fachkenntnisse erworben. Diese können ebenfalls ins Gewicht fallen, wie die Robert Half Gehaltsübersicht zeigt. Demnach bieten 45% der Hiring Manager Löhne über der geplanten Lohnspanne, um Top-Talente zu gewinnen. 58% nennen gefragte Kompetenzen als Grund.
Zusammengefasst sind das die Argumente, die für Sie sprechen:
Ihnen wurden zusätzliche Aufgaben übertragen oder Sie haben einen grösseren Verantwortungsbereich übernommen.Sie können konkrete Erfolge oder Verbesserungen nachweisen.Sie haben relevantes Fachwissen erworben oder sich neue Qualifikationen angeeignet.Sie übernehmen erstmals oder deutlich mehr Führungsverantwortung.
Für Ihr Gespräch müssen Sie keine lange Leistungsbilanz aufbereiten. Zwei oder drei starke Beispiele überzeugen mehr als eine Auflistung dessen, was Sie ohnehin jeden Tag tun.
Welche Argumente sollte ich bei einer Lohnerhöhung vermeiden?
Nicht jedes nachvollziehbare Argument hilft Ihnen auch in einer Lohnverhandlung. Eine höhere Miete, gestiegene Energiekosten oder grössere Anschaffungen, die finanziert werden müssen, drücken aufs Gemüt. Aber private Ausgaben sind kein Argument für mehr Lohn. Ihren Arbeitgeber interessiert es in erster Linie, wie sich Ihr Beitrag zum Unternehmen verändert hat.
Ebenso naheliegend wie ungeeignet ist der Blick auf den Lohn Ihrer Kolleginnen und Kollegen. Denn selbst bei ähnlichen Positionen ist es nicht ungewöhnlich, dass sich die Vergütung unterscheidet; etwa aufgrund unterschiedlicher Erfahrung, Aufgaben oder Verantwortung. Besser ist der Vergleich mit dem Markt und vor allem die Frage, wie sich Ihre eigene Rolle entwickelt hat.
Auch eine eventuelle Unzufriedenheit mit dem Job gehört nicht in diese Argumentation. Wenn Sie mit Ihrer Arbeitsbelastung, Ihren Aufgaben oder der Zusammenarbeit unzufrieden sind, sollte das separat auf den Tisch. Zumal mehr Lohn solche Probleme meist nicht behebt.
Ist die Inflation ein gutes Argument für eine Lohnerhöhung?
Es ist nachvollziehbar, steigende Preise als Anlass für ein Gespräch über den eigenen Lohn zu sehen, das sollte aber nicht das zentrale Argument sein. Überzeugender ist eine Lohnforderung, wenn Sie zeigen können, wie Ihr Unternehmen von Ihnen und Ihrer Arbeit profitiert – durch Leistung, Erfahrung, zusätzliche Aufgaben oder eine gestiegene Verantwortung.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Lohnerhöhung?
Dafür haben Sie selbst sicherlich das beste Gespür. Eine gute Gelegenheit bietet sich immer dann, wenn es dafür einen konkreten Anlass gibt. Auf den „perfekten Moment“ brauchen Sie dabei nicht zu warten. Ist Ihre Rolle heute deutlich grösser als noch bei der letzten Lohnfestlegung, ist das bereits ein sachlicher Grund, das Thema anzusprechen.
Typische Anlässe sind zum Beispiel:
Sie übernehmen zusätzliche oder anspruchsvollere Aufgaben.Sie tragen mehr Verantwortung, etwa für ein Projekt, ein Budget oder ein Team.Sie haben ein wichtiges Ziel erreicht oder ein grösseres Projekt erfolgreich abgeschlossen.Ein Mitarbeiter- oder Jahresgespräch steht an.Ihre letzte Lohnanpassung liegt schon länger zurück und Ihre Position hat sich seitdem weiterentwickelt.
Beim Timing zählt aber nicht nur Ihre eigene Situation. Muss das Unternehmen gerade sparen, kann es angeraten sein, das Gespräch auf später zu verschieben.
Wie oft kann ich nach einer Lohnerhöhung fragen?
Einen festen Rhythmus gibt es nicht. Sinnvoll ist ein Gespräch vor allem dann, wenn sich seit der letzten Lohnfestlegung tatsächlich etwas verändert hat, bei Ihren Aufgaben, Ihrer Verantwortung oder Ihrer Leistung.
Liegt die letzte Lohnerhöhung erst ein paar Monate zurück, sollten seitdem neue Gründe hinzugekommen sein. Nur weil wieder ein Jahr vergangen ist, entsteht noch kein überzeugendes Argument für mehr Lohn.
Wie bereite ich mich auf eine Lohnverhandlung vor?
Machen Sie sich eine klare Vorstellung davon, was Sie erreichen möchten: Was wollen Sie künftig verdienen und welche zwei oder drei Punkte untermauern Ihre Forderung am besten? Legen Sie zudem Ihren Spielraum fest, sodass Sie sich, wenn nötig, kompromissbereit zeigen können.
Die Argumente, die für Sie sprechen, sollten Sie nicht erst am Abend vor dem Termin zusammentragen. Denn häufig vergisst man die Erfolge, die bereits einige Monate zurückliegen. Machen Sie sich daher immer wieder gleich Notizen, wenn Sie ein Projekt abgeschlossen haben, zusätzliche Aufgaben übernehmen oder besonders gutes Feedback erhalten.
Bevor Sie ins Gespräch gehen, sollten Sie für sich beantworten können:
Welche Leistungen oder Ergebnisse möchte ich unbedingt nennen?Was ist für meine Position derzeit marktüblich?Mit welcher Lohnvorstellung gehe ich ins Gespräch?Wie weit bin ich bereit, von dieser Forderung abzuweichen?Mit welchen Einwänden könnte mein Gegenüber kommen?
Falls Sie unsicher sind, spielen Sie das Gespräch vorher einmal durch, aber ohne einzelne Sätze auswendig zu lernen. Sie sollten lediglich wissen, wie Sie argumentieren, um Ihre Forderung zu bekräftigen.
Wie spreche ich eine Lohnerhöhung an?
Kommen Sie relativ schnell zum Punkt. Ihr Gegenüber sollte wissen, dass Sie über Ihre Vergütung sprechen möchten – ohne dass Sie gleich Ihre konkrete Forderung benennen.
Ein Einstieg könnte so klingen:
„Ich möchte gern mit dir/mit Ihnen über meinen Lohn sprechen. Mein Aufgabenbereich hat sich zuletzt deutlich erweitert, und ich denke, dass meine Vergütung nicht mehr ganz dazu passt.“
Oder direkter:
„Ich habe in den vergangenen Monaten deutlich mehr Verantwortung übernommen und möchte deshalb mit dir/mit Ihnen über eine Lohnanpassung sprechen.“
Im Termin selbst nennen Sie Ihre Lohnvorstellung und begründen sie kurz. Vermeiden sollten Sie Formulierungen wie „Ich wollte nur mal fragen …“ oder „Wäre vielleicht etwas mehr möglich?“. Das ist zu unverbindlich und macht Ihre eigene Position unnötig kleiner.
Ein Gespräch über eine Lohnanpassung ist immer auch eine Verhandlung. Rechnen Sie also damit, dass Ihr Gegenüber nachhakt oder Einwände vorbringt. Sie müssen nicht auf alles sofort eine perfekte Antwort haben, aber Ihre wichtigsten Argumente sollten Sie kennen und sachlich gut vertreten können, warum Sie Ihre Forderung für angemessen halten.
Was kann ich tun, wenn meine Lohnerhöhung abgelehnt wird?
Eine Absage ist zunächst einmal eine Momentaufnahme. Wichtig ist, dass Sie den Grund verstehen und herausfinden, was sich ändern müsste, um eine spätere Lohnerhöhung zu ermöglichen.
Vielleicht fehlt dem Unternehmen aktuell das Budget. Vielleicht bewertet Ihr Vorgesetzter Ihre Entwicklung anders als Sie. Oder Ihre Forderung passt aus Sicht Ihres Arbeitgebers noch nicht zu Ihrer derzeitigen Rolle. Fragen Sie deshalb möglichst konkret nach, statt es bei einem Nein zu belassen.
Ist beim Lohn vorerst tatsächlich nichts zu machen, können auch andere Leistungen interessant sein. Laut unserer aktuellen Gehaltsübersicht passen Unternehmen Ihre Zusatzleistungen und Benefits an, um beispielsweise das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden zu fördern.
Mehr Lohn lässt sich überzeugend fordern, wenn Sie aufzeigen können, was sich seit der letzten Lohnfestlegung verändert hat. Gute Leistungen, zusätzliche Verantwortung und ein realistischer Blick auf den eigenen Marktwert liefern dafür die beste Grundlage. Ebenso wichtig sind der richtige Zeitpunkt sowie die Bereitschaft, bei einer Absage nachzuhaken, statt das Thema sofort abzutun.
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