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Zwischen den Zeilen lesen: Was eine Stellenanzeige Ihnen alles verrät

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Jede Stellenausschreibung ist anders. Doch wie erkennen Sie, ob eine Ausschreibung wirklich zu Ihrem Profil passt? Das ist nicht immer leicht, denn formal ähneln sich die meisten Stellenanzeigen, auch wenn der Absender hier ein traditionelles Unternehmen ist und dort ein Start-up. Wer aber genau hinsieht, findet bei der Jobsuche wichtige Hinweise darauf, ob das eigene Jobprofil gefragt ist und kann seine Bewerbung entsprechend formulieren. Emine Yilmaz, Vice President Permanent Operations bei Robert Half,  gibt in diesem Artikel wertvolle Tipps, wie Sie eine Stellenanzeige richtig lesen.

So erkennen Sie, welche Stellenausschreibung zu Ihnen passt

„Internationales Unternehmen sucht verantwortungsvollen Bilanzbuchhalter (w/m/d) (HGB/IFRS). Voraussetzungen: Kenntnisse im Umgang mit SAP. Wünschenswert: selbstständiger und zielstrebiger Arbeitsstil.“ So könnte, stark zusammengefasst, eine Stellenausschreibung lauten. Die Frage ist: Welche Informationen kann man daraus lesen? Wer Englisch spricht, ist sicher im Vorteil. Denn man bewirbt sich bei einem internationalen Unternehmen. Die explizite Nennung von „HGB/IFRS“ sagt klar, dass Bewerber (w/m/d) über anerkannte Zertifikate verfügen müssen, die zur Bilanzierung nach dem aktuellen Handelsgesetzbuch (HGB) und den International Financial Reporting Standards (IFRS) qualifizieren. Am besten auch über eine mehrjährige berufliche Praxis in diesen Bereichen. SAP-Kenntnisse sind also Pflicht. Aber eben nur „Kenntnisse“. Ein absolvierter Einstiegskurs kann als Qualifikation gegebenenfalls ausreichen. Der selbstständige und zielstrebige Arbeitsstil? Ist lediglich wünschenswert. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Sie dieses Kriterium erfüllen, gehen Sie in Ihren Bewerbungsunterlagen nicht darauf ein. Doch was ist zu tun, wenn die Anforderungen überwältigend erscheinen?  

Bloss nicht bei der Jobsuche abschrecken lassen

Unternehmen, die mit Stellenanzeigen auf Bewerbersuche gehen, wünschen sich oft die „eierlegende Wollmilchsau“. Also jemanden, der alles kann, alles weiß und dabei auch noch ein Teamplayer mit Humor ist. „Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen“, rät Yilmaz. „Achten Sie darauf, was ganz oben in der Stellenausschreibung steht. Denn das, was in den Stellenanzeigen zuerst genannt wird, ist den Unternehmen in der Regel auch am wichtigsten. Erfüllt man die Anforderungen, die in der Stellenausschreibung beschrieben sind, zu 70 Prozent, ist das schon sehr gut.“  

Schlagwörter aus der Stellenanzeige gezielt nutzen

„Wichtig ist, Schlagwörter zu erkennen und sie gezielt zu nennen, im Anschreiben oder im Lebenslauf“, sagt unsere Expertin. „Angenommen, in einer Stellenausschreibung wird ein Lohnbuchhalter mit IHK-Zertifikat gesucht. Verfügen Sie über dieses Zertifikat, dann machen Sie das in Ihrer Bewerbung möglichst gut deutlich. Beispielsweise könnten Sie diesen Punkt im Lebenslauf fett schreiben oder farbig markieren.“ Doch nicht nur Menschen reagieren auf Schlagwörter: Viele Unternehmen setzen KI ein und arbeiten mit „Applicant Tracking Systems“ (ATS). Diese Systeme unterstützen Arbeitgeber dabei, Bewerbungen vorzusortieren, indem sie Lebensläufe nach bestimmten Schlagwörtern scannen, das ist eine Hürde, die Sie unbedingt nehmen müssen. Achten Sie daher darauf, die identifizierten Schlüsselwörter aus der Stellenanzeige natürlich in Ihren Lebenslauf einzubinden. Nutzen Sie dabei sowohl ausgeschriebene Begriffe als auch deren Abkürzungen (etwa „Handelsgesetzbuch“ und „HGB“).

Mehr Erfolg bei der Jobsuche

Wer zweifelt, ob der Job passt, kann durchaus auch zum Hörer greifen und im Unternehmen anrufen, den für die Stellenausschreibung Verantwortlichen oder direkt in der entsprechenden Fachabteilung. Lediglich, wenn in der Stellenanzeige explizit steht, dass Anrufe nicht erwünscht sind, gebietet es der Respekt, sich auch daran zu halten. Nachfragen ist sinnvoll, denn Stellenanzeigen sind zum Teil sehr stark standardisiert. Erst in einem Telefonat erfährt man vielleicht, dass man selbst über Zusatzqualifikationen verfügt, die durchaus zu der Stellenausschreibung passen. Wenn der Personalverantwortliche dann auch noch explizit dazu einlädt, eine Bewerbung zu schreiben und sie an das Unternehmen zu senden, kann das wie ein Turbo für die Jobsuche wirken.

Fazit

Stellenanzeigen richtig zu lesen, verschafft Ihnen bei der Jobsuche einen echten Vorteil. Fassen Sie die Anforderungen nicht als unüberwindbare Hürden auf, sondern als Orientierung. Markieren Sie die wichtigsten Schlagwörter und übernehmen Sie diese in Ihre Bewerbungsunterlagen. Prüfen Sie ausserdem kritisch, ob die beschriebene Position wirklich zu Ihnen passt, nicht nur fachlich, sondern auch kulturell. Und scheuen Sie sich nicht, bei Unklarheiten nachzufragen. Mit dieser Herangehensweise erhöhen Sie Ihre Chancen deutlich, den Job zu finden, der wirklich zu Ihnen passt. Bildquelle: Vitaly Gariev@Unsplash