Benefits statt Gehaltserhöhung: Warum sich das lohnen kann

Vergütung und Benefits Karriere-Tipps Gehälter und Positionen Artikel
Hohe Inflation und steigende Lebenshaltungskosten  – da können Arbeitgeber auf die Idee kommen, ihren Beschäftigten mehr Gehalt zu zahlen, um sie zu entlasten. Doch was auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein scheint, hat einige Nachteile. Wir werfen einen genaueren Blick darauf und zeigen, warum Zusatzleistungen für Arbeitgeber oft die bessere Alternative sind. Allerdings müssen Unternehmen die richtigen Benefits auswählen, um die Wünsche ihrer Mitarbeiter zu erfüllen. Wie das geht, erfahren Sie hier.
Gehaltssteigerungen scheinen auf den ersten Blick ein probates Mittel zu sein, um Mitarbeiter in Zeiten gestiegener Inflation zu entlasten. Bei näherer Betrachtung zeigen sich dabei jedoch einige Nachteile: 1. Höhere Kosten für Unternehmen: Die großen Tech-Player in den USA machen es vor: Wenn ihre Mitarbeiter mit Inflation zu kämpfen haben, erhöhen sie einfach das Gehalt. Das können jedoch nicht alle Unternehmen stemmen. Vor allem kleinere Unternehmen haben oft nicht den finanziellen Spielraum, um Gehaltserhöhungen in dem Ausmaß zu gewähren. Vor allem dann, wenn sie von Preissteigerungen etwa in der Produktion oder im Einkauf betroffen sind, die sie nicht ohne weiteres an ihre Kunden weitergeben können. 2. Lohn-Preis-Spirale droht: Wenn die Unternehmen die Löhne und Gehälter in gleichem Maße und in gleichem Tempo wie die Inflation anheben, besteht immer die Gefahr einer so genannten Lohn-Preis-Spirale: Steigende Einkommen führen dazu, dass die Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen weiter steigen (sofern die Unternehmen die Lohnerhöhungen an ihre Kunden weitergeben können). Damit wäre das Gegenteil von dem erreicht, was die Arbeitgeber mit den Benefits eigentlich erreichen wollten. Nämlich ihre Mitarbeiter in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu unterstützen. 3. Langfristige Ausgaben: Eine Gehaltserhöhung kann nicht nur einmalig gewährt werden. Stattdessen müssen Arbeitgeber, die sich dafür entscheiden, ihren Mitarbeitern mehr Geld zu zahlen, dies langfristig tun. Sollte die Inflation wieder sinken, würde der Arbeitnehmer trotzdem sein neues, höheres Gehalt erhalten. Dies kann im schlimmsten Fall zu finanziellen Problemen für das Unternehmen führen.
Unternehmen, die nicht auf eine Gehaltserhöhung setzen wollen, können auf Alternativen zurückgreifen. Bestimmte Zusatzleistungen wie Gutscheine, Mitarbeiterrabatte oder Weiterbildungen können eine gute Alternative sein. Unter bestimmten Voraussetzungen – die Arbeitgeber unbedingt vorher abklären sollten – müssen die Benefits weder versteuert werden, noch werden Sozialabgaben fällig. Das ist erfreulich für die Arbeitnehmer, die für mehr Leistung kein Geld aufwenden müssen, und eine gute Option für die Unternehmen. Denn außerdem entfallen bei Benefits die Lohnnebenkosten. Das investierte Geld kommt also in größerem Umfang beim Arbeitnehmer an. Der wohl größte Vorteil für Arbeitgeber: Mit den richtigen Benefits können sie ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern und ihr Employer Branding verbessern. Im War for Talents, der in den nächsten Monaten und Jahren wohl nicht nachlassen wird, können Benefits daher ein hervorragendes Mittel sein, um sich von anderen Unternehmen abzuheben und die dringend benötigten Fach- und Führungskräfte für sich zu gewinnen.
Gutscheine und Zuschüsse zu bestimmten regelmäßigen Ausgaben, wie zum Beispiel den Kinderbetreuungskosten oder der Mitgliedschaft im Fitnessstudio, gehören zu den Klassikern, wenn es um Mitarbeiterbenefits geht. Gutscheine können in Deutschland in der Regel bis zu 50 Euro pro Monat steuerfrei an die Mitarbeiter ausgezahlt werden. Aber auch Gutscheine für andere Bereiche des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel Essensgutscheine, sind eine Option, die Mitarbeiter in Zeiten gestiegener Inflation zu unterstützen.
Arbeitgeber, die sich von der Konkurrenz abheben wollen, sollten jedoch nicht nur auf die klassischen Benefits setzen. Denn die bietet im Zweifelsfall auch ein anderes Unternehmen. Stattdessen sollten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Zusatzleistungen bieten, die sie wirklich wollen. Unsere Gehaltsübersicht 2024 hat gezeigt, dass bestimmte Leistungen am Arbeitsplatz von den Arbeitgebern angeboten werden, während die Nachfrage der Arbeitnehmer weit darüber hinausgeht. Eco(-mmerce) Voucher: Obwohl nur 14 Prozent der Arbeitgeber sie anbieten, wünschen sich 32 Prozent der Beschäftigten diese Möglichkeit.Kulturgutschein: Nur 16 Prozent der Arbeitgeber bieten solche Leistungen an, aber immerhin 41 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich dies.Programm für flexible Leistungen: Dieses Benefit bieten nur 18 Prozent der Arbeitgeber an, während 53 Prozent der Mitarbeiter sich über dieses Angebot freuen würden.Essensgutscheine (z.B. Sodexo): Etwa 22 Prozent der Arbeitnehmer erhalten diese Vergünstigungen, aber 54 Prozent der Mitarbeiter wünschen sich diese Leistung.Vergünstigungen ganz allgemein (Sonderangebote, Ermäßigungen): 29 Prozent der Arbeitgeber bieten solche Benefits ihren Mitarbeitern, während 46 Prozent der Beschäftigte sie sich wünschen. Interessant ist, dass einige Leistungen in der Gunst der Arbeitnehmer nicht so weit oben stehen, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte: Unbezahlter Urlaub wird von 48 Prozent der Arbeitgeber angeboten, aber nur 28 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich diese Möglichkeit.
Auch Fort- und Weiterbildungsangebote werden von den Beschäftigten stark nachgefragt. Diese Entwicklung war bereits in den vergangenen Jahren zu beobachten - und sie setzt sich fort. Nach wie vor zeigt sich, dass Arbeitgeber an dieser Stellschraube drehen können, um neue Mitarbeiter zu finden und bestehende zu binden. Zum Beispiel mit berufsbegleitenden Studiengängen: 16 Prozent der Arbeitgeber bieten diese Option, während 39 Prozent der Mitarbeiter es schätzen würden, sich mit Unterstützung ihres Arbeitgebers weiterbilden zu können. Aber auch interne Entsendungen zu einem Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartner (79 Prozent der befragten Mitarbeiter wünschen sich dies) oder ein befristeter Wechsel zu Niederlassungen in anderen Ländern/Märkten (77 Prozent der Mitarbeiter) sind Angebote, die bei den Mitarbeitern sehr gut ankommen. Diese Daten zeigen, wie wichtig es für Unternehmen ist, die Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Mitarbeiter zu kennen und gezielte Benefits anzubieten, um ihre Zielgruppe bestmöglich zu erreichen. Möchten Sie mehr erfahren? Dann laden Sie sich hier unseren Gehaltsreport herunter. Darin finden Sie relevante Daten und Tipps, wie Sie Ihre Zielgruppe gezielt ansprechen können.