Ortsunabhängiges Arbeiten, dezentrale Belegschaften
Die zunehmende Flexibilität deutscher Belegschaften bezüglich des Arbeitsortes ist eines der Kernthemen des aktuellen Arbeitsmarkt-Reports. Was vor Ausbruch des Coronavirus oft ein unerreichbarer Wunschtraum für Arbeitnehmer war, ist durch die Pandemie zum Alltag geworden. Und wird es wohl in vielen Unternehmen auch nach überstandener Corona-Krise bleiben – zumindest in Teilen. Als inzwischen etablierter Bestandteil der Arbeitswelt wird hybrides Arbeiten nicht einfach wieder von der Bildfläche verschwinden.
Schließlich bieten solche Modelle beiden Seiten Vorteile:
- Unternehmen können agiler agieren, beschleunigen ihre digitale Transformation und können sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren.
- Arbeitnehmer profitieren von mehr Flexibilität, die zu einer besseren Work-Life-Balance beitragen kann.
Gleichzeitig stellt der Trend zu dezentralen Belegschaften Unternehmen vor neue Herausforderungen: Das Engagement der Mitarbeiter muss nun auf Distanz hochgehalten werden. Klassische Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation funktionieren in hybriden Teams oftmals nicht mehr. Manager müssen zudem lernen, an zwei Fronten zu führen und ein feines Gespür für das Wohlbefinden ihrer Teams entwickeln.<7p>
Klar ist aber auch, dass sich nicht jeder Job gleich gut für ortsunabhängiges Arbeiten eignet. In diesen Bereichen sind die Voraussetzungen für Home-Office-Potenzial nach Einschätzung der befragten Entscheider in deutschen Unternehmen besonders gut:
| IT-Bereich | Finance-Bereich | Kaufmännischer Bereich |
| 1. Systemanalyse und -sicherheit | 1. Lohn- und Gehaltsbuchhaltung | 1. Kommunikation (intern und extern) |
| 2. DevOps-Management | 2. Buchhaltung | 2. Vertrieb |
| 3. Backend-/Frontend-Entwicklung | 3. Vermögensverwaltung | 3. Logistik und Projektmanagement |
| 4. Datenbankadministartion | 4. Risiko-/Compliance-Management | 4. Kundenservice |
| 5. Cloud Engineering | 5. Kreditmanagement | 5. Beschaffung |
Optimistische Arbeitnehmer dank neuer Freiheiten
Trotz anhaltender Einschränkung sind Arbeitnehmer zumindest in Bezug auf ihre beruflichen Perspektiven im neuen Jahr optimistisch gestimmt.
- 67 % schätzen ihre Karriereaussichten für 2021 durchaus positiv ein.
- 57 % rechnen zudem mit einer Gehaltserhöhung im laufenden Jahr.
Ebenfalls zur positiven Stimmung beitragen dürfte die Etablierung flexibler Arbeitsformen auf Seiten der Unternehmen, die für 59 % der befragten Arbeitnehmer weiterhin im aktuellen Ausmaß bestehen werden. Damit kommen Arbeitgeber ihren Wünschen entgegen. Denn nicht einmal jeder Zehnte möchte nach überstandener Pandemie wieder vollständig ins Büro zurückkehren.
Dauerhaft im Home-Office arbeiten wollen allerdings nur 22 %. Die Mehrheit der Arbeitnehmer (70 %) bevorzugt ein hybrides Modell, das ihnen die Wahl lässt, wo sie arbeiten. Verwaisen werden die Unternehmensstandorte dabei keineswegs: Der Großteil der Angestellten (68 %) möchte maximal an drei Tagen pro Woche vom heimischen Schreibtisch arbeiten, viele würden das Angebot sogar nur an einem oder zwei Arbeitstagen nutzen.
Flexibles Arbeiten setzt neue Trendthemen in der HR
Ortsunabhängiges Arbeiten wird bleiben, hybride Teams werden zum Standard. Das setzt neue HR-Trends.
- Talentpool wird zum Ozean: Wenn Remote-Arbeit zum Standard wird, besteht kein Grund mehr, nur regional nach Kandidaten mit dringend benötigten Skills zu suchen. Das vergrößert die Auswahl enorm, kann aber schnell unübersichtlich werden. Bei Bedarf unterstützen unsere Personalberater Sie gerne bei der Suche nach passenden Remote-Kräften.
- Gehalt und Benefits bleiben trotzdem ein entscheidender Faktor: Die Kehrseite – Fachkräften mit gefragten Fähigkeiten stehen ebenfalls mehr Karriereoptionen offen. Deshalb bleibt das Gehalt ein wichtiger Faktor, um im War for Talents wettbewerbsfähig zu bleiben und die vorhandene Belegschaft zu binden. Frühere Benefits wie Home-Office oder kostenloses Lunch-Angebot ziehen nicht mehr.
- Investitionen verschieben sich: Möglicherweise können Unternehmen durch die aktuelle Entwicklung Flächen verkleinern und damit Kosten senken. Dafür verursachen dezentrale Arbeitsmodelle an anderer Stelle Kosten: Investitionen in Technologien sind meist unvermeidbar, um sichere und reibungslose Remote-Arbeit zu ermöglichen. Ausgaben für zeitgemäße Benefits für Mitarbeiter, etwa im Bereich physische und psychische Gesundheit, sind sinnvoll.
- Andere Fähigkeiten rücken in den Fokus: Zum einen wird die Arbeitswelt digitaler und macht mehr technische Skills unverzichtbar. Zum anderen erfordert das teilweise Wegbrechen des direkten Kontakts aber auch ausgeprägte soziale und interpersonelle Kompetenzen. Das gilt insbesondere für Führungskräfte.
- Onboarding und Offboarding muss auch remote funktionieren: Mit dem Onboarding von neuen Mitarbeitern im Home-Office mussten sich viele Unternehmen während des Lockdowns notgedrungen anfreunden. Jetzt gilt es diesen Prozess systematisch zu etablieren, ebenso wie Standards für das Offboarding aus der Ferne.
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Zugang zur Gehaltsübersicht
1 Die Studie wurde im Dezember 2020 im Auftrag von Robert Half durchgeführt. Befragt wurden 1.500 Manager mit Personalverantwortung (General Manager, CIOs, CFOs) in kleinen (50-249 Mitarbeiter), mittelgroßen (250-499 Mitarbeiter) und großen (500+ Mitarbeiter) Unternehmen in Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien (je 300 Teilnehmer).
Bildquelle: © Nathan Dumlao - unsplash.com