Eine externe Wachstumsstrategie hilft Unternehmen, schnell in neue Märkte vorzudringen oder eine bestimmte Position in einem Segment zu festigen. Doch besonders im Bereich Private Equity treffen Käufer oft auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die zwar hochspezialisiert und erfolgreich sind, deren vorhandene Prozessstruktur allerdings viel Potential zum Scheitern bietet. Daniel Vergara González, Senior Managing Director Executive Search, erklärt, wie Unternehmen Change Management richtig begleiten.
Veränderung ist in vielen Unternehmen immer erst dann eine Herausforderung, wenn sie wirklich geschieht. Mit jedem strategischen Zukauf übernehmen die neuen Eigner nicht nur neues Spezialwissen, sie kaufen auch fremde Strukturen, Personal und mitunter jahrzehntelang bewährte Prozesse ein. Diese in das neuen Firmengeflecht zu überführen, stellt das Management regelmäßig vor große Herausforderungen, an denen auch viele scheitern.
Wie Change-Management im Mittelstand gelingt:
Mit externer Beratung im Wettbewerb mit großen Konzernen
Bei einem Unternehmenskauf (M&A) setzt das neue Mutterunternehmen zumeist auf neues Personal an wichtigen Gelenkstellen der Zusammenarbeit. Entweder kommen diese Manager aus den eigenen Reihen und werden in die neuen Unternehmen entsandt oder aber sie werden von extern hinzugeholt. Im letzteren Fall konkurrieren die Investoren aus dem Bereich Private Equity (PE) im Kampf um neue Talente zumeist mit großen Konzernen, die mit ihrer Markenbekanntheit punkten können und so bei potentziellen Kandidaten einen Vertrauensvorschuss genießen.
Private-Equity-Unternehmen können diesen vermeidlichen Startnachteil mit einem erfahrenen Headhunter an der Seite kompensieren. Die wichtige Frage nach der Identifikation und Attahierung des neuen Management-Teams ist auch für diese Unternehmen oft mit hausinternen Ressourcen nicht abdecken. Aber gerade das ist eine wichtige Stellschraube, wenn sich die Unternehmen am Beginn eines Integrations- und Change Prozesses befinden.
Gesamtheitlich betrachtet ist die gezielte Attrahieung des richtigen Managements ein Fundamentteil, das viele weitere Entwicklungen begründet.
So ist ein vorgelagerter Schritt, die neue Belegschaft hinsichtlich mit den eigenen vorhandenen Potenzialen, Entwicklungsmöglichkeiten abzugleichen und vor allem vor dem Hintergrund möglicher Kompetenzerweiterungen zu betrachten. Wird die vorhandene Belegschaft all die zukünftigen Herausforderungen meistern können, die in den Führungsetagen diskutiert werden? Welche Talente stecken im Unternehmen? Wie funktionieren die Strukturen? Gibt es hausinternes Personal, um entsprechende Mitarbeiter-Vakanzen in einem überschaubaren Rahmen zu besetzen? Denn in hochspezialisierten Nischen nimmt die Komplexität von Prozessen immer weiter zu, sodann ist auch ein besonderes Know-how vonnöten ist. Wichtige Entscheidungen können nicht auf die lange Bank geschoben werden, mitunter ergeben sich daraus Wettbewerbsnachteile, die sich nur mühsam wieder aufholen lassen.
Erfolgreiches Change Management steht und fällt mit der Kommunikation
Die strategische Ausrichtung nach einem M&A-Prozess, ein sich daran anschließender Change Prozess und die Strategie zur nachhaltigen Integration eines externen Unternehmens samt aller Implikationen gehört also auf die Agenda in der Chefetage. Change Management wird niemals erfolgreich sein, wenn der Prozess nicht aktiv gestaltet, sondern nur verwaltet wird. Oft begehen Unternehmen den Fehler und rollen Prozesse und Systeme zu schnell aus. Ohne das entsprechende Management und die internen Wissensttärger ist das übernommene Unternehmen sodann in allen Bereichen damit überfordert.
Die vorhandene Belegschaft gilt es kommunikativ durch den Prozess zu begleiten. Der Dialog mit ihnen muss nicht nur offen, sondern auch fair geführt werden. Eine Übernahme ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine schmerzhafte Erfahrung – für Teile der Belegschaft bedeutet dies Umorientierung, Neuausrichtung oder gar Unternehmensexit.
Auf der einen Seite müssen Führungskräfte, die damit betraut wurden, den Change Prozess in einem Unternehmen zu begleiten, die strategische Ausrichtung im Blick behalten und auf der anderen Seite ein tiefes Verständnis für den operativen Part im Unternehmen haben.
Im Idealfall ist das C-Level cross-funktional aufgestellt. Die Experten müssen über ihren Bereich hinaus agieren können, sie benötigen die Sensibilität dafür, dass Change Management auch mit einem kulturellen Wandel und einem Paradigmenwechsel einhergeht, das schafft Vertrauen und ist somit eine der wichtigsten Variablen im Change Prozess.
Durch die genannten Anforderungen ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Führungskräfte über hervorragende Storytelling-Fähigkeiten verfügen müssen. Schafft es ein Entscheider nicht, Veränderungen transparent, lückenlos, fair und vor allem motivierend zu skizzieren, wird er die Belegschaft nicht mitnehmen können.
Denn diejenigen, die die Veränderungen unmittelbar zu spüren bekommen, befinden sich in unterschiedlichen Stadien. Von der ersten Schock-Phase, über Ablehnung und Frust-Haltung bis hin zum Stadium des Neustarts ergeben sich viele Möglichkeiten, die Belegschaft auf diesem Weg zu verlieren.
Gutes Storytelling für gelungenes Change Management
Kommunikation ist also eine Schlüsselfertigkeit für zukunftsorientiertes Führungspersonal. Dabei gibt es ein paar Tipps, wie Führungskräfte ihr Storytelling sofort verbessern können:
Emotionalität – gute Geschichten folgen keinem Schema F. Es geht nicht darum, eine starre Abfolge zu erzählen, sondern die Zuhörenden emotional zu berühren.
Zielgruppe – gute Führungskräfte kennen die Stärken und Schwächen ihrer Mitarbeitenden und die Herausforderungen, die sich beispielsweise durch ein M&A ergeben. Sie nutzen dieses Wissen, um die Geschichte noch eindringlicher werden zu lassen.
Menschlichkeit – Firmenlenker tendieren dazu, sich qua Position bestimmten Denkmustern und Handlungszwängen zu unterziehen. Gute Geschichtenerzähler schalten antrainierte Filter aus. Sie suchen den Austausch, sind offen und bewusst fehlbar. Ein Manager, der keine Angst davor hat, auch Schwächen nach außen zu kehren, wirkt authentisch, nahbar und glaubwürdig.
Hilfsmittel erwünscht – visuelle Hilfen können guten Geschichten erheblich aufwerten. Bilder sagen oft mehr als tausend Worte.
Starke Geschichten bleiben zweifelsfrei in Erinnerung, vor allem, wenn sie etwas Neues einläuten – allerdings sind es nicht Zahlen und Fakten, an die man sich erinnert, sondern es sind Emotionen und Gefühle, die bleiben.
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