Manager, die ihren Markt genau kennen, sind entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg. Doch was passiert, wenn ein Unternehmen ins Ausland expandiert? Fabrice Coudray, Managing Director Executive Search bei Robert Half, erklärt, warum multikulturelle Führung und Kenntnisse der lokalen Gepflogenheiten wichtig sind und wie Teams zusammengestellt werden können, um internationalen Erfolg und Innovation zu fördern.

Was Sie bei multikultureller Führung beachten sollten:

Im Jahr 2023 scheint die einzige Hürde für den Erfolg von Management-Teams im globalen Geschäftsumfeld darin zu bestehen, ob sie in der Lage sind, die Nachfrage in ihrem Markt zu befriedigen. Um diese Hürde zu überwinden, ist ein umfassendes Verständnis der ausländischen Märkte unerlässlich, einschließlich der sprachlichen, kommunikativen und geschäftlichen Besonderheiten vor Ort, unerlässlich.

Manager verbringen oft mehrere Jahre im Ausland, gründen neue Unternehmen, bauen Netzwerke auf und berichten an ihre Zentrale. Das internationale Modell entwickelt sich jedoch ständig weiter, und viele Managementteams rekrutieren nun zunehmend Experten von vor Ort mit dem entsprechenden kulturellen Know-how. Jemand, der in dem betreffenden Land geboren und aufgewachsen ist, wird mehr verstehen als ein Expat, der sich nach Kräften bemüht.

Die Corona-Pandemie hatte tatsächlich auch positive Auswirkungen auf multikulturelle Managementteams. Die Unternehmen sind nicht mehr darauf angewiesen, dass ihre Führungskräfte vor Ort sind. Die Technologie macht es möglich, dass die verschiedenen Teammitglieder virtuell miteinander in Kontakt stehen und sich nur noch vier Mal im Jahr persönlich treffen. Multikulturelle Managementteams sind gefragter denn je und – das ist die gute Nachricht – lassen sich heute leichter zusammenstellen.

Wie man ein multikulturelles Managementteam aufbaut

Angenommen, ein Unternehmen möchte über seinen Heimatmarkt hinaus in neue Märkte expandieren. Damit das Vorhaben gelingt, müssen sich die Manager von ihrer langjährigen Denkweise lösen, sich ausschließlich auf den lokalen Markt zu konzentrieren. Und das gelingt am besten, wenn Führungskräfte aus anderen Ländern rekrutiert werden. Die Vielfalt der Kulturen, Ideen und Denkweisen wird sicherlich dazu beitragen, bessere Leistungen zu erzielen, ihre internationalen Ambitionen voranzutreiben und Innovationen zu fördern. 

Vor allem in den USA ist die Zahl der Eigenkündigungen seit dem Frühjahr 2021 so rasant gestiegen, dass es inzwischen einen eigenen Begriff für dieses Phänomen gibt. “The Great Resignation” oder auch “Big Quit” bezeichnet die massenhafte freiwillige Kündigung von Arbeitnehmer*innen rund ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie. Auch wenn die Arbeitsbedingungen hierzulande nur bedingt mit denen in den Vereinigten Staaten vergleichbar sind, zeichnet sich auch in Deutschland eine höhere Bereitschaft ab, sichere Jobs aufzugeben. 

Aber es wäre ein Fehler zu sagen: „Morgen werden wir ein paar ausländische Experten in den Vorstand berufen, weil das eine gute Sache ist.“ Zu Beginn des Prozesses, wenn der CEO über die richtige Strategie nachdenkt, muss er die richtigen Fragen stellen, um diejenigen Manager zu finden, die die gewählte Strategie mittragen. Diese Fragen lauten:

  • Welche Pläne haben Sie für die nächsten fünf Jahre?
  • Wo sind Sie derzeit geschäftlich tätig und wohin möchten Sie expandieren?
  • Wie wollen Sie das erreichen?
  • Halten Sie es für sinnvoll, verschiedene Nationalitäten im Managementteam zu haben?
  • Sind Sie offen für diesen Ansatz?

Wenn das Unternehmen beispielsweise in Frankreich angesiedelt ist und nur einen lokalen Markt bedient, ist das meist kein Problem: Der CEO könnte in diesem Fall einfach einen Franzosen rekrutieren und in den Vorstand berufen lassen.

Wenn aber das Unternehmen in weitere europäische Märkte oder gar nach Afrika, Asien oder Amerika expandieren möchte, wäre es ratsam, neues Know-how, Wissen und neue Ideen einzubringen. Vor allem dann, wenn Fachkompetenz gefragt ist.

Ein europäisches Unternehmen aus dem Lebensmittel Im- und Export sollte beispielsweise verstehen, wie Früchte aus Südamerika beschafft werden. Natürlich könnte das auch von einem Schreibtisch in London, Paris oder Frankfurt aus geschehen. Aber würden die Manager dann auch die Vegetationsperioden, die Herausforderungen der Landwirte und die wirtschaftlichen Realitäten vor Ort verstehen? Vermutlich nicht. Denn ein großer Teil dieses Wissens kann nur von den Menschen vor Ort gelernt werden. Und genau diese Menschen könnten Teil eines mobilen, über viele Länder verteilten Managementteams sein.

Vielfalt macht den Unterschied

Ein multikulturelles und vielfältiges Managementteam sollte zweifellos der Strategie und den Ambitionen eines Unternehmens folgen – und nicht umgekehrt. Wenn es jedoch darum geht, international zu expandieren und in verschiedenen Märkten zu wachsen, dann ist Fachwissen in Kombination mit flexiblen Geschäftspraktiken der Schlüssel zum Erfolg. 

Angenommen, zwei Unternehmen mit dem gleichen Umsatz und den gleichen internationalen Zielen würden heute diese Strategie verfolgen: Das eine Unternehmen hätte ein Führungsteam, in dem alle Mitglieder aus dem gleichen Land kommen, während das andere Unternehmen multikulturell und vielfältig aufgestellt wäre. Ich bin fest davon überzeugt, dass das zweite Unternehmen schneller Marktanteile gewinnen würde. Denn bei der globalen Expansion spielt die Kenntnis der lokalen Gegebenheiten eine entscheidende Rolle und fördert zudem Innovationen.

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